50-jähriges
Jubiläum der Jungviehprämierung auf der Muswiese
Was 1959 begann soll auch in Zukunft auf der Muswiese nicht fehlen
Von Heinz Nicklas, Gerabronn
Die
traditionelle Jungviehprämierung auf der Muswiese in Musdorf
soll nicht der Vergangenheit angehören. Auch wenn die Jungviehprämierung
auf der Muswiese noch keine Jahrhunderte alt ist, so ist sie dennoch
mit dem ältesten Jahrmarkt Hohenlohes eng verbunden. Schon in
den Jahren vor 1959 gab es auf der Muswiese einen Viehmarkt wo Kälber,
Kalbinnen und Rinder zum Verkauf angeboten wurden. Viehhändler
und Landwirte fanden sich damals in den frühen Morgenstunden
ein, um ein gutes Geschäft mit den angebotenen Tieren abzuwickeln.
1955 wurde dann in Rot am See von 21 Züchtern aus Rot am See,
Brettenfeld, Bemberg, Musdorf, Niederwinden, Oberwinden, und Hilgartshausen
der Bullenhaltungsverein Rot am See unter der Leitung des damaligen
Bürgermeisters Karl Walch gegründet. Zum ersten Vorsitzenden
wurde Albert Meinikheim aus Oberwinden gewählt. Schon bald konnte
der Bullenhaltungsverein Rot am See erste Erfolge aufweisen: 1959
erzielte der Bulle Profi 1491 einen 1. Preis bei der Deutschen Landwirtschaftsausstellung
(DLG) in Frankfurt am Main und animierte dadurch alle Züchter
des neu gegründeten Vereins zu weiteren Aktivitäten. Bald
erwachte der Gedanke eine Jungviehprämierung abzuhalten. In
Zusammenarbeit des Bullenhaltungsvereins der Gemeinde Rot am See,
dem Fleckviehzuchtverein Gerabronn und des Fränkisch Hohenloheschen
Fleckviehzuchtverband Schwäbisch Hall wurde schließlich
am Donnerstag den 15. Oktober 1959 die erste Jungviehprämierung
auf der Muswiese abgehalten. In den ersten Jahren wurde die Prämierung
donnerstags abgehalten, weil am Muswiesendonnerstag auch immer ein
Vieh- und Pferdemarkt für Bauern und Händler stattfand.
Nach den Unterlagen wurden 1959 130 Jungtiere auf der ersten Muswiesenprämierung
der Jury vorgeführt, darunter zahlreiche Nachkommen des prämierten
Bullen Profi. Mehr als zwei oder drei Tiere führte damals kein
Züchter zur Schau. Im Gegensatz zu heute, wo teilweise bis zu
10 Tiere aus demselben Stall kommen. Die damalige Jury bestand aus
einem Veterinärrat, dem Leiter des Tierzuchtamt Schwäbisch
Hall und dem Vorsitzenden des Fleckviehzuchtverein Gerabronn. Nach
der Schau wurde um 15 Uhr in den großen Festzelten beim Waldmann
oder Burkhard die anschließende Preisverteilung vorgenommen.
Die Prämierung unterstrich stets den hohen Stellenwert, den
die Rinderzucht im Hohelohischen und der Umgebung hatte. Auch noch
heute - nach 50 Jahren - hat die Jungviehprämierung Bestand
und ist ein bedeutender Punkt im Programm der Muswiese. Im Laufe
der Zeit wurde sie allerdings vom Muswiesendonnerstag auf den Dienstag
verlegt.
Somit
werden auch im Jubiläumsjahr 2009 am Muswiesendienstag
die hiesigen Züchter wieder ihre hochwertigen Rinder im Ring
vorführen. Der im Vergleich zu früheren Jahren etwas zurückgegangene
Auftrieb ist auf den Wandel in der Landwirtschaft und deren Tierhaltung
zurückzuführen.
Bild 1: Bewertungsjury (von links): Dr. Abendschein
(Landwirtschaftamt Blaufelden), Erwin Düring (Michelbach /Heide), Dr.
Dechent (Tierzuchtamt Schwäbisch Hall), Bürgermeister
Setzer (Rot am See)
Bild 2:
Bürgermeister Walch und KarlNaser beim damaligen Viehmarkt
Durch
die künstliche Besamung und gezielte Anpaarung sind in
den letzten 50 Jahren erhebliche Fortschritte in der Rinderzucht
zu verzeichnen. Auch war das Zuchtziel in den letzten Jahrzehnten
vor allem darauf angelegt verbesserte Milchleistungn und eine gute
Fleischleistung zu erhalten. Auch die immer wiederkehrende Zuchtwertschätzung
der Mütter und Väter geben Aufschlüsse von Milchleistung,
Fett- und Eiweißanteil und der Fruchtbarkeit. Bei der Bewertung
der Rinder werden auch heute bei der Jungviehprämierung
hohe Kriterien angesetzt.
Durch
die sinkenden Preise der Milch und deren Produkten sind die Milchkuhhaltungen
und die Rinderzucht heute großen Veränderungen
ausgesetzt. Die Talfahrt des Milchpreises bringt viele Landwirte
und Viehzüchter an den Rand ihrer Existenz. Für sie zeigt
sich kein Ausweg wie sie unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen
zukünftig am Markt bestehen bleiben können.
Trotz
der vorliegenden Schwierigkeit in der Rinderzucht macht man sich
im Jubiläumsjahr um die Zukunft der Muswiesenprämierung
im Moment keine Sorgen. Für die Landwirte gehört es einfach
dazu an der Viehprämierung teilzunehmen. Schließlich hat
man schöne Tiere zu zeigen, was der Stolz eines jeden Rinderzüchters
ist. Es bleibt zu hoffen, dass auch zukünftig trotz der zusätzlichen
Arbeitsbelastung, die Rinderhalter ihre Tiere zur Prämierung
auf der Muswiese auftreiben und die alte Tradition am Leben erhalten.
Schließlich gibt man diese nicht gerne auf.
Zur diesjährigen Jubiläums-Jungviehprämierung werden
wieder viele Tiere erwartet. Der Rinderzuchtverein in Zusammenarbeit
mit der Gemeinde Rot am See wird sich zum Jubiläum sogar etwas
Besonderes für die Gäste einfallen lassen.