Pünktlich zum Muswiesen-Beginn stellte sich auch ein richtiges „Muswiesen-Wetter“ in
unserer Gemeinde ein. Sah es anfangs fast so aus, als ob Petrus noch
ein Einsehen mit uns hätte und die Wolken an Musdorf vorbeiziehen
würden, prasselten am Muswiesen-Samstag dann doch immer wieder
kräftige Regenschauer nieder. Dies tat dem Besucherstrom aber
keinen großen Abbruch. Denn Ausweichmöglichkeiten gibt
es auf dem abwechslungsreichen Festgelände ja genügend
und da wurde der Einkaufsbummel dann kurzerhand von einer Einkehr
in einer der gemütlichen Muswiesen-Wirtschaften unterbrochen.
Auch
die vielen Sportbegeisterten blieben vom Regen nicht verschont – den
Auftakt bildeten die Muswiesenläufe, bei denen man sich mit
einem recht stattlichen Teilnehmerfeld messen konnte.
Anschließend stand das Muswiesenderby zwischen dem TV Rot am
See und dem SV Brettheim auf dem Programm, das die Brettheimer Fußballer
mit einem 1:0 für sich entscheiden konnten.
Als
nicht ganz so treffsicher wie die Brettheimer Schützen
erwies sich Bürgermeister Gröner beim Fassanstich in der
Festhalle Hahn, mit dem er die Muswiese am Samstag-Abend eröffnete.
Der Auftakt für „das Fest der Feste“ war gemacht
und die zahlreichen Muswiesenfans aus nah und fern feierten ausgelassen
bis in die frühen Morgenstunden.
Besinnlicher startete dann der Muswiesen-Sonntag mit einem Festgottesdienst
in der Musdorfer Michaelskirche, der von Dekan Dr. Winfried Dalferth
aus Crailsheim gestaltet wurde.
Unter
musikalischer Begleitung des Musikvereins Rot am See zogen die
zahlreichen Ehrengäste dann von der Kirche zum Zelt der
BdS-Wirtschaftsmesse, zur Eröffnung der gewerblichen und landwirtschaftlichen
Ausstellung durch Bürgermeister Gröner. Als Stärkung
nach dem Fußmarsch wurden sie mit einem Gläschen Wein
und einem Roterle von den Rathausmitarbeitern begrüßt.
Die Eröffnung wurde von Herrn Andreas Brauer von der Musikschule
Notentreff und Herrn Philipp Ziegler mit flotten Akkordeonstücken
musikalisch umrahmt.
„Wir sind Muswiese“ – mit diesen Worten, die an
den Papstbesuch in Deutschland angelehnt waren, begrüßte
Bürgermeister Gröner alle anwesenden Gäste, die auch
gleich vom berüchtigten „Muswiesenfieber“ angesteckt
wurden. Denn einmal im Jahr wird das kleine und sonst so beschauliche
Musdorf zum Mittelpunkt und Herzen von Hohenlohe und weit darüber
hinaus.
Für viele beginnt damit die fünfte Jahreszeit – das
hat die Verwaltung aufgegriffen und zum diesjährigen Muswiesenthema
gemacht – „Muswiese – unsere fünfte Jahreszeit“.
Nach einer Definition im Internet bezeichnet die fünfte Jahreszeit
einen mehrere Tage bis Wochen andauernden Zeitraum, in dem ein Ereignis
stattfindet, das den Lebensrhythmus vieler Menschen so stark beeinflusst,
wie es sonst nur der Wechsel der 4 Jahreszeiten tut. Und wo sonst
könnte diese Beschreibung besser passen, als bei unserer schönen
Muswiese.
Nach
365 anstrengenden Tagen, die hinter den meisten der Besucher liegen
dürften, kommen nun erholsame Tage, aus denen man Energie
für den anstrengenden Alltag tanken kann, der einen nach der
Muswiese wieder unaufhaltsam einholen wird. Die Muswiese ist Mittelpunkt,
Anfang und Ende, Start und Ziel. Nach ihr zählt die Zeit und
nach ihr wird der Jahresablauf eingeteilt.
Der
Muswiesenstand wurde wieder gekonnt - passend zum Muswiesenthema
- vom ortsansässigen Künstler Koval mit tatkräftiger
Unterstützung des Bauhof-Teams gestaltet. Die schöne Blumendekoration
stammt von der Gärtnerei Wieland.
Auch die große Politik war Thema der Ansprache, so war sich
Bürgermeister Gröner sicher, dass die Muswiese nach all
den Höhen und Tiefen seit dem Jahr 1434 auch die momentane Eurokrise überstehen
wird. Augenzwinkernd fügte er hinzu, dass man hier keinen großen
Rettungsschirm braucht, da es auf dem Muswiesengelände ganz
viele kleine Schirme gibt, die alles zusammenhalten.
Die Muswiese wird auch diese Turbulenzen überstehen, denn sie
ist mehr als eine Veranstaltung, die irgendwann zwangsläufig äußeren
Einflüssen unterliegt – sie ist schlicht eine Institution.
Für Jung und Alt, für die ländliche Bevölkerung
ebenso wie für die „Städter“ stehen Geselligkeit,
gute Laune, Spaß, Unterhaltung, gutes Essen und Trinken, Nervenkitzel
im Vergnügungspark sowie Einkaufen im größten Freiluftkaufhaus
ganz oben auf der täglichen Agenda und die sonst eher übliche
Zurückhaltung, Sorgsamkeit und Sparsamkeit der Hohenloher ist
wie weggeblasen.
Bürgermeister Gröner bedankte sich bei allen Helfern im
Hintergrund, die zum Gelingen eines Festes in dieser Größenklasse
erforderlich sind. Ein besonderer Dank ging an die Hauptorganisatorin
im Rathaus, Frau Meinikheim, an Marktmeister Kurr und Herrn Reiß,
an Bauamtsleiter Vogt und an das Team des gemeindlichen Bauhofs.
In diesem
Zusammenhang teilte er mit, dass Günter Kurr nach
33 Jahren als Marktmeister nach dieser Muswiese endgültig in
den Ruhestand treten wird und Herr Reiß seine Nachfolge übernimmt.
Eine offizielle Verabschiedung wird es zwar noch während der
Muswiese geben, aber am Muswiesen-Sonntag wurde Herrn Kurr schon
mal eine ganz besondere Ehre zuteil – die Ernennung zum Ehrenmarktmeister.
Die Besucher zollten Herrn Kurr mit einem herzlichen Applaus Respekt
für seinen jahrelangen tatkräftigen und sicher nicht immer
ganz einfachen Einsatz auf der Muswiese.
Am Sonntag
jagte dann bei schönem Herbstwetter ein Highlight
das nächste. Während die ganz Kleinen vom Luftballonstart
magisch angezogen wurden und 669 Luftballons auf die Reise schickten,
konnten die größeren Besucher den Blick aus dem Hubschrauber über
das Muswiesengelände schweifen lassen.
Auch
wenn sich das Wetter nicht immer von der besten Seite zeigte – man
musste auf dem Festgelände weit laufen, wenn man hängende
Mundwinkel sehen wollte. Der Hohenloher lässt sich sein Fest
nämlich nicht durch ein paar Regentropfen vermiesen – richtig
eingepackt trotzt man auch einem Kälteeinbruch und genießt
die unbeschwerte Zeit mit guten alten Bekannten, die man eben immer
nur auf der Muswiese trifft. Man kann gerade mal ein paar Schritte
gehen, bevor man schon wieder ein bekanntes Gesicht sieht und für
ein kurzes Schwätzchen stehen bleibt. So gesehen ist es nicht
verwunderlich, dass man die Muswiese an ganzen 5 Tagen feiert, denn
sonst hätte manch einer gar nicht die Möglichkeit das ganze
Festgelände zu erkunden…
Natürlich sind auch „Auswärtige“ herzlich willkommen – denn
nirgendwo sonst schließt man so schnell neue Freundschaften
wie auf unserer Muswiese. Und im nächsten Jahr sind dann schon
wieder ein paar bekannte Gesichter dazugekommen.
Muswiese,
wer kennt sie nicht! Im
letzten Jahr erschien pünktlich zum Start der Muswiese der
1 ½ -stündige Dokumentarfilm – wer ihn noch nicht
hat, kann ihn sich am Gemeindestand im Zelt der BDS-Wirtschaftsmesse
kaufen!
„IMMER WIE NIE – Die Muswiese 2009“.
Der Filmemacher Cornelius Braitmaier begleitete die Hauptakteure
der Muswiese vor und
während des ältesten Jahrmarktes der Region, lässt
Händler, Schausteller und Besucher zu Wort kommen. Für
jeden ist die Muswiese anders. Historischer Ort, Handelsplatz, große
Bühne, Drahtseilakt, Pfarrgemeinde, Treffen der Generationen...
Neben den festen Attraktionen, vom Muswiesenlauf über den Metzgerstanz
bis zur
Mittelstandskundgebung des BDS, zeigt der Film auch eine Muswiese
wie sie der Besucher nicht zu Gesicht bekommt. Wie sich Gemeinde,
Bewohner und Gastwirte auf den Ansturm hunderttausender Besucher
vorbereiten. Muswiese ist der Ausnahmezustand für alle Beteiligten…!